DSL-Schwindel: Die Mär vom schnellen Internet

internet-langsam-kleinHaben Sie schon einmal kontrolliert, ob Ihr Internet wirklich so schnell ist, wie bestellt? Warum auch Sie womöglich deutlich zu viel zahlen, für eine Leistung, die Sie nicht erhalten, erfahren Sie in unserem neuen Artikel. Hier haben wir die gängigen Anbieter und Ihre Versprechen auf den Prüfstand gestellt.

1. Die Theorie:

Nahezu jeder DSL-Vertrag wird betreffend der Geschwindigkeit mit dem Zusatz „bis zu“ abgeschlossen. So bleibt den Anbietern die Freiheit aus diversen Gründen die Geschwindigkeit zu drosseln, sei es bei Leitungsengpässen, aus Kostenreduzierung, aufgrund der Leitungsqualität und einer Vielzahl weiterer Gründe. Die nachfolgende Tabelle zeigt die gängigsten Tarife, Anbieter und die Freiheiten, die sich die Anbieter im oft überlesenen Kleingedruckten, z.B. AGBs oder Tarifdetails herausnehmen. Hier können Sie Ihe DSL-Leitung zum Abgleich messen. Stand 27.08.2015.



Tarifrubrik / Anbieter Telekom Unitymedia Vodafone o2 1&1
DSL 16.000
Scheinbare
Geschwindigkeit
(laut Vertrag)
MagentaZuhause S
Download:
bis zu 16.000 kbit/s
Upload:
bis zu 2400 kbit/s
2Play Start 20
Download:
bis zu 20.000 kbit/s
Upload:
bis zu 1000 kbit/s
Internet & Phone DSL 16
Download:
bis zu 16.000 kbit/s
Upload:
bis zu 1000 kbit/s
O2 DSL All-in M
Download:
bis zu 16.000 kbit/s
ab Fair-Use-Limit:
nur 2000 kbit/s

Upload:
bis zu 1024 kbit/s
DSL 16
Download:
bis zu 16.000 kbit/s
Upload:
bis zu 1024 kbit/s
Versteckter Zusatz
(Abweichung)
„Individuelle Bandbreite
abhängig von der Verfügbarkeit“

Downloaduntergrenze:
6304 kbit/s
(- 60,6 %)
Uploaduntergrenze:
704 kbit/s
(- 70,7 %)

keine Angaben
Downloaduntergrenze:
6145 kbit/s
(- 61,6 %)
Uploaduntergrenze:
nicht angegeben
Downloaduntergrenze:
5.000 kbit/s
(- 68,8 %)

Bei aktiver Fair-Use-Restriktion:
2000 kbit/s
(- 87,5 %)

Uploaduntergrenze:
nicht angegeben

keine Angaben
VDSL 50
(50.000)
Scheinbare
Geschwindigkeit
(laut Vertrag)
MagentaZuhause M
Download:
bis zu 51.300 kbit/s
Upload:
bis zu 10.000 kbit/s
Internet Comfort 60
Download:
bis zu 60.000 kbit/s
Upload:
bis zu 3.000 kbit/s
Internet & Phone DSL 50
Download:
bis zu 50.000 kbit/s
Upload:
bis zu 10.000 kbit/s
O2 DSL All-in L
Download:
bis zu 50.000 kbit/s
Upload:
bis zu 10.000 kbit/s
DSL 50
Download:
bis zu 51.300 kbit/s
Upload:
bis zu 10.000 kbit/s
Versteckter Zusatz
(Abweichung)
„Individuelle Bandbreite
abhängig von der Verfügbarkeit“

Downloaduntergrenze:
27.900 kbit/s
(- 45,6 %)
Uploaduntergrenze:
2700 kbit/s 
(- 73 %)

keine Angaben Downloaduntergrenze:
27.900 kbit/s
(- 44,2 %)
Uploaduntergrenze:
2700 kbit/s 
(- 73 %)
Downloaduntergrenze:
25.000 kbit/s
(- 50 %)

Bei aktiver Fair-Use-Restriktion:
2000 kbit/s
(- 96 %)

Uploaduntergrenze:
1600 kbit/s (- 84 %)

Downloaduntergrenze:
16.700 kbit/s
(- 67,4 %)
Uploaduntergrenze:
1600 kbit/s 
(- 84 %)
VDSL 100
(100.000)
Scheinbare
Geschwindigkeit
(laut Vertrag)
MagentaZuhause L
Download:
bis zu 100.000 kbit/s
Upload:
bis zu 40.000 kbit/s
2Play COMFORT 120
Download:
bis zu 120.000 kbit/s
Upload:
bis zu 6.000 kbit/s
Internet & Phone DSL 100
Download:
bis zu 100.000 kbit/s
Upload:
bis zu 40.000 kbit/s

 O2 DSL All-in XL
Download:
bis zu 100.000 kbit/s
Upload:
bis zu 40.000 kbit/s

DSL 100
Download:
bis zu 100.000 kbit/s
Upload:
bis zu 20.000 kbit/s

Upload-Option:
bis zu 40.000 kbit/s
Versteckter Zusatz
(Abweichung)
„Individuelle Bandbreite
abhängig von der Verfügbarkeit“

Downloaduntergrenze:
54.000 kbit/s
(- 46 %)
Uploaduntergrenze:
20000 kbit/s
  (- 50 %)

keine Angaben Downloaduntergrenze:
54.000 kbit/s
(- 46 %)
Uploaduntergrenze:
20000 kbit/s
  (- 50 %)
Downloaduntergrenze:
25.000 kbit/s
(- 75 %)

Bei aktiver Fair-Use-Restriktion:
2000 kbit/s
(- 98 %)

Uploaduntergrenze:
5000 kbit/s (- 87,5 %)

Downloaduntergrenze:
54.000 kbit/s
(- 46 %)
Uploaduntergrenze:
keine Angaben

Weiterführende AGB-Auszüge / Beschreibungen:

telekomTelekom: Die Telekom bleibt bei Ihren Tarifen sehr vage und beschreibt auf vielfältige Weise in den AGBs, wie es zu einer Geschwindigkeitsminderung kommen kann, In den AGB heißt es:

„Eine bestimmte Übertragungsgeschwindigkeit […] kann nicht zugesagt werden, da die am Anschluss des Kunden konkret erreichbare Übertragungsgeschwindigkeit von den jeweiligen physikalischen Eigenschaften der Anschlussleitung abhängt, insbesondere von der sog. Leitungsdämpfung, die sich u. a. aus der Länge der Anschlussleitung und dem Leitungsdurchmesser ergibt. Werden mehrere breitbandige Internet-Zugänge innerhalb eines Endleitungsnetzes bereitgestellt, können bei gleichzeitiger Nutzung gegenseitige Beeinflussungen und Störungen nicht ausgeschlossen werden“

Das bedeutet so viel wie: Haben Ihre Nachbarn DSL? Dann kann es sein, dass Sie weniger Leistung bekommen. Wir meinen: Wenn der Datendurchsatz der Leitung zu gering ist, dann müssen neue Leitungen oder Technologien her!

unitymediaUnitymedia: Bis vor einiger Zeit gab es bei Unitymedia das „Highspeed-Versprechen“ auch für Privatkunden. Dass dieses nun seit geraumer Zeit entfällt, zeigt, dass Unitymedia mit dem Zuwachs der Leitungsnutzung ebenfalls keine Garantie auf eine bestimmte Bandbreite mehr geben kann. Dennoch: Laut AGB will Unitymedia die höchstmögliche Übertragungsgeschwindigkeit entsprechend der mit dem Kunden vereinbarten Dienstevariante ermöglichen. Gleichzeitig werden dort jedoch auch die üblichen Faktoren zur Minderung der Leistung genannt:

Die Übertragungsleistung ist jedoch auch von der Leistung des Providers des Empfängers oder Senders (nachfolgend „Gegenstelle“), von der Leistung der Verbindungsnetze Dritter und von der Leistungsfähigkeit der vom Kunden eingesetzten Hard- und Software abhängig. Der Kabelnetzbetreiber haftet nicht für eine von ihm nicht zu vertretende Einschränkung der Übertragungsgeschwindigkeit aufgrund der Leistung der Gegenstelle, der Leistung der Verbindungsnetze Dritter und/oder der vom Kunden eingesetzten Hard- und Software, soweit diese nicht von dem Kabelnetzbetreiber zur Verfügung gestellt wurde […].

Zumindest interessant im Hinblick darauf, dass der Betreiber offenkundig haftet, wenn er die Einschränkung zu vertreten hat.

vodafone-logoVodafone: Die Parallele zur Telekom ist aus der Tabelle gut ersichtlich. Hier haben zwei Anbieter voneinander abgeschaut und den maximalen Spielraum nach unten genutzt. Sowohl bei der Telekom, als auch bei Vodafone kann (muss nicht!) die Geschwindigkeit bis zu 73 % abweichen. Sollte dies dauerhaft der Fall sein, sollten Sie eine Prüfung veranlassen oder ggf. nach der Chance zur Nachbesserung seitens des Providers den Anbieter wechseln und/oder auf eine Gutschrift bestehen. Wenn das nicht funktioniert, empfehlen wir rechtliche Schritte zu prüfen. Die Wirksamkeit dieser vordefinierten Schwankungen der Bandbreite als AGB-Klauseln ist umstritten. Positiv hervorzuheben ist, dass Vodafone deutlich besser die Spannweite kommuniziert, ohne mühselig in den AGBs zu suchen. Hier kann die Telekom lernen.

o2o2: Der Anbieter O2 geht noch konsequenter mit einem anderen Modell der Drosselung voraus. Die Fair-Use Machanik prüft, ob 3 Monate in Folge das Datenvolumen größer als 300 GB ist. Sobald Sie das dritte Mal das Volumen überschreiten, wird die Leitung auf 2000 kbit/s limitiert. Ein durchschnittlicher Internetnutzer verbraucht etwa 27 GB im Monat (Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2014). Im Zeitalter von HD-IP-Telefonie, HD-Videostreaming, 4K-Filmen auf YouTube, Mediatheken und Streamingdienstleitern, scheinen bei einem Haushalt mit mehr als zwei Personen die 300 GB doch recht knapp bemessen. Weiteres Highspeed-Volumen muss käuflich erworben werden. Unser Stichwort hier: Unechte Flatrate. Zusätzlich erlaubt sich o2 Schwankungen der Bandbreite, wie die anderen Anbieter auch. Zusätzlich zur offen kommunizierten Volumenlimitierung versteckt o2 diese Abweichungen in den AGB.

1. Fazit & Die Praxis:

Eine unglaubliche Bandbreitenschwankung, die sich die Internetanbieter erlauben. Hätten Sie’s gewusst? Bis zu 88% langsamer als bestellt (und gedrosselt sogar bis zu 98% langsamer!) ist schon eine Hausnummer. Bei einem Verdacht, sollten Sie in regelmäßigen Abständen auf unserer Seite den DSL-Test bemühen. Schließlich zahlen Sie stets 100% des Preises pro Monat.

Zu beachten gilt jedoch, dass die Übertragungsgeschwindigkeit während der Nutzung des Internets unter anderem von der Netzauslastung des Internet-Backbones, der Geschwindigkeit der Ziel-Server des jeweiligen Inhalteanbieters, sowie von den verwendeten Endgeräten (Router, PC, Smartphone inkl. deren Betriebssysteme und sonstige eingesetzte Software) abhängig ist. Die Geschwindigkeit kann von vielen Faktoren beeinflusst werden. Daher reicht ein einzelner DSL-Test oft nicht aus. Führen Sie daher mehrere Versuche zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Tagen durch. Warum eine DSL-Leitung langsamer ist, als bestellt, muss individuell geprüft werden. Kurze Leitungsüberlastungen und -störungen sind unter Umständen nach wenigsten Stunden bereits behoben. Oft sind die Leitungen in den Abendstunden deutlich langsamer als nachmittags. Dies liegt unter anderem an der vermehrten Nutzung. Entspricht die Qualität der Leitung nicht Ihren Erwartungen, sollten Sie die Ursache dafür prüfen. Wir helfen Ihnen gerne weiter!

3. Die Lösung

Die Lösung für ein Leitungs- bzw. Geschwindigkeitsproblem ist sehr individuell und sollte auf jeden Fall von einer fachkundigen Person untersucht werden. Wenn Sie ein Qualitätsproblem vermuten, können Sie vorab unseren DSL-Test absolvieren und uns die Resultate übermitteln. Wir werden Sie dann umgehend kontaktieren und mit Ihnen nach einer Lösung für Ihr Problem suchen. Oft liegt das Problem aber auch an der Software oder Netzwerkhardware. Surfen Sie über WLAN? Dann kann auch dies ein Faktor sein. Wiederholen Sie den Test im Zweifel per Netzwerkkabel. Sollten wir nachhaltige Störungen feststellen, deren Ursache in der Leitung liegt und sollte der Provider sich nicht bemühen dieses Problem zu lösen, steht Ihnen in der Regel ein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Denn kann der Anbieter die vereinbarte Bandbreite gar nicht liefern, stellt das einem Urteil zufolge eine erhebliche Pflichtverletzung dar, dass der Kunde nicht mehr im Vertrag gehalten werden kann. Daran ändern auch die allgemeinen Geschäftsbedingungen nichts, die einen zu langsamen Anschluss so pauschal nicht entschuldigen können. Denn der Kunde muss nach solchen Geschäftsbedingungen ja trotzdem den vollen Preis zahlen – das  benachteiligt den Leitungsinhaber unangemessen und macht solche Bedingungen unwirksam.

 

Ihre Leitung oder Ihr Netzwerk ist zu langsam?

Sprechen Sie uns an. Wir entwickeln mit Ihnen individuelle Lösungen. Steigern Sie die Leistung und Ihre Zufriedenheit. Rufen Sie uns kostenfrei an: 0800 / 243 677 1. Wir helfen gerne weiter!

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